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Das Bovine Herpesvirus 1 (als BHV1 abgekürzt) ist ein Herpesvirus, welches bei Rindern eine meist akut verlaufende, hoch ansteckende Viruserkrankung verursacht. Die Erkrankung ist in Deutschland eine anzeigepflichtige Tierseuche. Aufgrund der gemeinsamen Bemühungen aller Rinderhalter steht die vollständige BHV1-Sanierung des Landes Schleswig-Holsteins unmittelbar bevor. Am 04.07.2016 hat das Bundesland Schleswig-Holstein gemeinsam mit dem Bundesland Hamburg einen Antrag auf Anerkennung als BHV1-freie Region gemäß Artikel 10 der Richtlinie 64/432/EWG übersandt. Für eine endgültige Anerkennung ist eine 100%-ige Sanierung der Betriebe in Schleswig-Holstein und Hamburg erforderlich, die zum 01.01.2017 angestrebt ist.

Ziel des Schleswig-Holsteinischen Landwirtschaftsministeriums ist es, sämtliche BHV1-Reagenten aus den Betrieben in Schleswig-Holstein zu entfernen, um bei der Kommission der Europäischen Union zur Anerkennung als BHV1-freie Region anerkannt zu werden. Am 04.07.2016 hat das Land Schleswig-Holstein gemeinsam mit Hamburg einen entsprechenden Antrag auf Anerkennung an die Kommission versandt. Die BHV1-Sanierung in Schleswig-Holstein ist aber noch nicht abgeschlossen. Aktuell verbleiben noch 14 Betriebe (Stand Juli 2016), die ihre Sanierung spätestens zum Stichtag 01.01.2017 abschließen müssen.  Im Interesse aller Rinderhalter sollte deshalb alles daran gesetzt werden, um Neuinfektionen in Betrieben zu verhindern.

Die Sanierung ist deshalb für uns von Bedeutung, da ansonsten strenge Anforderungen einzuhalten sind, wenn Rinder in andere als BHV1-frei anerkannte Regionen verbracht werden sollen. Dies trifft insbesondere auf (fast) alle übrigen Bundesländer zu, sodass der Handel mit Rindern aus Schleswig-Holstein heraus stark eingeschränkt wäre.

Seit Jahresbeginn hat es in Schleswig-Holstein allerdings bereits vermehrt Betriebe gegeben, in denen eine Neuinfektion des Bestandes mit dem BHV1-Virus festgestellt wurde. Die Eintragswege sind dabei nicht immer nachvollziehbar. Jeder Rinderhalter sollte daher prüfen, welche Seuchenvorsorgemaßnahmen er auf seinem Betrieb ergreift. Der Bauernverband hat zu diesem Thema eine Checkliste ausgearbeitet, die den Rinderhaltern als Hilfestellung dienen soll, eine Einschätzung des eigenen Betriebes im Hinblick auf Seuchenvorsorge- und Betriebshygienemaßnahmen zu erhalten. Jeder Punkt der Checkliste stellt einen positiven Baustein für das eigene Betriebshygienemanagement dar. Daher ist der eigene Status umso besser, je mehr Punkte erfüllt werden. Einige Punkte stellen auch Alternativen dar, bei denen jeweils die zweite Variante zu bevorzugen ist. Die Checkliste wird von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, der RSH e.G. und dem LKV e.V. unterstützt.

Schäden infolge von einer BHV1-Infektion können zudem bei der VTV-Versicherung abgesichert werden. 
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Der Fachdienst Veterinär- und Lebensmittelaufsicht des Kreises Rendsburg Eckernförde hat zudem von sich aus Maßnahmen benannt, die geeignet sind, die Gefahr der Einschleppung einer Infektion zu minimieren.
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Ertragsschadenversicherung

Schäden infolge von einer BHV1-Infektion können zudem bei der VTV-Versicherung abgesichert werden. Wichtig ist, dass BHV 1 tatsächlich mitversichert ist. In der Regel muss die Mitversicherung extra in den Vertrag eingebunden werden. Altverträge sollten daraufhin überprüft werden und gegebenenfalls die Einbindung nachträglich vereinbaren. Betriebe, die aktuell BHV 1 frei sind sollten sich umgehend um den Versicherungsschutz bemühen. Zu bedenken ist dabei, dass nur Schäden versichert sind, die nach der Wartezeit von 3 Monaten (nach Abschluss des Vertrages) auftreten.

Der Abschluss einer Ertragsschadenversicherung ist grundsätzlich allen Betrieben zu empfehlen, die einen seuchenbedingten Ertragsausfall nicht überbrücken können bzw. in der Existenz bedroht sind. Der Mindestversicherungsschutz umfasst die anzeigepflichtigen Tierseuchen. Es ist jedoch sinnvoll alle Tierseuchen, also auch meldepflichtige und sonstige übertragbare Krankheiten mitzuversichern, auch wenn dies einen höheren Beitrag erfordert. Daneben sollte darauf geachtet, dass zumindest immer die ganze Produktionseinheit (z.B. alle Milchkühe) versichert ist und nicht nur Teile davon, da sonst im Schadenfalle Abzüge wegen Unterversicherung fällig werden. Die Höhe des im Vertrag festzulegenden Tierwertes kann an dem aktuellen Wiederbeschaffungswert bemessen werden.

Neben den Ertragsschäden durch z.B. Lieferverbote und Tierverluste werden vom Versicherer insbesondere auch Ertragsschäden aufgrund von schlechterer Futterverwertung der Tiere und Leistungsdepression, erhöhte Kosten durch Hygienemaßnahmen und Bestandsergänzungen sowie zusätzliche Kosten für das Gesundheitsmanagement (Kosten für Tierarzt, Medikamente und Labordiagnostik) erstattet. Weiterhin werden fortlaufende Kosten (z.B. Futterkosten) bei der Kalkulierung des Ertragsschadens berücksichtigt. Zu beachten ist, dass diese Kosten durch die zunehmende Bestandsdichte steigen.

Der Versicherer entschädigt den tatsächlich entstandenen Schaden am Deckungsbeitrag unter Anrechnung des vereinbarten Selbstbehaltes. Die Schadenhöhe ergibt sich dabei aus der Vergleichsdeckungsbeitragsrechnung der letzten drei Jahre vor dem Schaden. Die Bewertung erfolgt auf Basis der aktuellen Preise im Schadenzeitraum. Bei der Schadenermittlung werden alle schadenbedingten negativen und positiven Einflüsse auf das Produktionsverfahren berücksichtigt.

Ansprechpartner für weitere Beratung zur Ertragsschadenversicherung ist beim Bauernverband Wolf Dieter Krezdorn, Tel. 04331-1277-71.

Der Bauernverband hat zudem eine Checkliste ausgearbeitet, die den Rinderhaltern als Hilfestellung dienen soll, eine Einschätzung des eigenen Betriebes im Hinblick auf Seuchenvorsorge- und Betriebshygienemaßnahmen zu erhalten.

Der Fachdienst Veterinär- und Lebensmittelaufsicht des Kreises Rendsburg Eckernförde hat zudem von sich aus Maßnahmen benannt, die geeignet sind, die Gefahr der Einschleppung einer Infektion zu minimieren.

Zum Personenverkehr

Betriebsfremde Personen, die regelmäßig Kontakt zu anderen Rinderbeständen haben wie zum Beispiel Tierärzte, Besamungstechniker, Viehhändler oder Klauenpfleger, dürfen nur mit unbenutzter Schutzkleidung Kontakt zu den Rindern haben. Es wird dringend empfohlen, eine "Hygieneschleuse" in Form eines Raumes einzurichten, in welchem betriebsfremde Personen bereit gelegte Schutzkleidung anlegen und sich die Hände waschen und trocknen können. Die beste Schutzkleidung stellen Einweg-Overalls und Einweg-Schutzstiefel dar, ein Kittel genügt nicht! Die Schutzkleidung ist (frisch gewaschen oder ungebraucht!) vor Betreten der Stallungen anzulegen. Die Hände sind vor dem Tierkontakt zu waschen. Einweg-Overalls und Überziehstiefel sind preiswert, manche Overalls können auch mehrmals gewaschen und somit wiederverwendet werden. Personen, die sich weigern, die Schutzkleidung  anzuziehen, haben in einem Rinderstall nichts mehr zu suchen!

Zum Fahrzeugeinsatz

Betriebsfremde Fahrzeuge sollten möglichst nicht an der offenen Stalltür abgestellt werden. Ausgeliehene oder gemeinsam genutzte Fahrzeuge wie z.B. Viehwagen sollten vor dem erneuten Tierkontakt gereinigt und möglichst desinfiziert werden. Reste von Dung oder Einstreu sind eine hervorragende Infektionsquelle. Es sollte zudem eine Selbstverständlichkeit sein, dass Viehhandelsunternehmen Tiere aus BHV1- freien und nicht freien Beständen getrennt transportieren und nur mit sauberen Fahrzeugen eine Tierhaltung anfahren.

Zum Einsatz von Geräten und Instrumenten

Bei der Verwendung von Geräten oder Instrumenten, mit denen die Tiere direkten Kontakt haben können, ist unbedingt auf Sauberkeit zu achten.

Zur Kontrolle des Personen- und Fahrzeugverkehrs:

Ein Rinderbestand stellt einen wertvollen Tierbestand dar. Es kann nicht schaden, durch Schilder auf diese Tatsache aufmerksam zu machen und den Personen- und Fahrzeugverkehr auf dem Betrieb zu kontrollieren und zu kanalisieren. Wird durch die Beschilderung darauf hingewiesen, dass Unbefugte die Stallungen  nicht betreten dürfen, führt dieses auch dazu, dass die Achtsamkeit der Besucher geweckt wird.

Der Bauernverband hat zudem eine Checkliste ausgearbeitet, die den Rinderhaltern als Hilfestellung dienen soll, eine Einschätzung des eigenen Betriebes im Hinblick auf Seuchenvorsorge- und Betriebshygienemaßnahmen zu erhalten.

Schäden infolge von einer BHV1-Infektion können zudem bei der VTV-Versicherung abgesichert werden.
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Bauernverband Schleswig-Holstein