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Die landwirtschaftlichen Betriebe in Schleswig-Holstein geraten zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Doch die landwirtschaftlichen Betriebe wissen genau: ohne Saisonbeschäftigte gibt es keine regionalen Lebensmittel. Die Produktion heimischer Erdbeeren, Spargel und Gemüse und damit die Arbeitsplatzsicherheit ist jedoch nur unter tragfähigen Rahmenbedingungen möglich. In Schleswig-Holstein sind jährlich rund 11.000 Saisonarbeitskräfte im Einsatz – insbesondere im Spargel-, Erdbeer- und Gemüseanbau. Bis zu 80 % der Arbeit erfolgt per Hand. Ein typischer Spargel- oder Erdbeerbetrieb benötigt in der Hochsaison bis zu 150 Arbeitskräfte gleichzeitig. Fällt dieses Personal weg oder wird unbezahlbar, bleibt die Ernte liegen – mit direkten Folgen für Angebot, Preise und Importabhängigkeit. Die Betriebe müssen die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf 13,90 Euro/Stunde, Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung mit rund 20 % zusätzlich, Unterkunftskosten, Kosten für Organisation, Transport und Verwaltung stemmen. Betriebsmittel wie Dünger und Kraftstoff sind noch nicht mit eingerechnet. Auch der zunehmende Druck durch Importware belastet die Betriebe massiv. Und wenn das Wetter nicht mitspielt, gilt es, Verluste auszugleichen. In Norddeutschland bereits sind Flächenrückgänge im Erdbeeranbau von bis zu 15 % zu verzeichnen, weil Betriebe aufgeben. Die Kostenbelastung der Betriebe ist sehr hoch und wird zur Existenzfrage.

Der Bauernverband Schleswig-Holstein fordert gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband der Land- und Forstwirtschaft in Schleswig-Holstein zur Sicherung der regionalen Erzeugung einen Abschlag vom Mindestlohn für Saisonbeschäftigte in der Landwirtschaft. Landwirte bekennen sich zu einer fairen Entlohnung, dabei sollen aber auch Qualifikation und Wirtschaftlichkeit mitbestimmen.

Bastian Soltau, Landwirt aus Barsbüttel und Mitglied des Fachausschusses für Obst, Gemüse und Direktvermarktung beim Bauernverband Schleswig-Holstein ergänzt „Die Erzeugerkosten liegen mit rund 10% deutlich über den Kosten des Vorjahres und steigen je nach politischer Weltlage noch weiter an. Diese Kosten können wir nicht 1:1 an den Einzelhandel weitergeben. Die Betriebe verdienen also nicht mit an den Preissteigerungen, die der Verbraucher erfährt.“

In diesem Jahr sind wieder viele Saisonarbeitskräfte zur Erntesaison auf „ihre“ Höfe zurückgekehrt. Ein klares Zeichen für gewachsenes Vertrauen, persönliche Bindungen und vielfach freundschaftliche Kontakte mit „Familienanschluss“. Oftmals werden Mahlzeiten gemeinsam eingenommen und das gesamte Umfeld auf den Betrieben ist sehr familiär geprägt.   Für viele ausländische Saisonarbeitskräfte stellt die Tätigkeit eine wichtige Einkommensquelle dar. Gleichzeitig sind die Betriebe auf erfahrene, zuverlässige Kräfte angewiesen. Es besteht daher ein beidseitiges Interesse an fairen, stabilen und langfristigen Arbeitsbeziehungen. Doch ohne wirtschaftliche Perspektive für die Betriebe wird es Obst und Gemüse bald nicht mehr aus Schleswig-Holstein geben - und auch nicht die damit verbundenen Arbeitsplätze.

Bauernverband Schleswig-Holstein