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Werner Schwarz (2. v. l.) stellt das Positionspapier des Bauernverbandes Schleswig-Holstein vor. Foto: Kirsten Müller

"Veränderung gestalten in der schleswig-holsteinischen Landwirtschaft" lautet der Titel des Positionspapiers, das der Bauernverband Schleswig-Holstein am Donnerstag, 30. März 2017, auf der Landespressekonferenz in Kiel vorgestellt hat.

Nach Angaben von Verbandspräsident Werner Schwarz erhoffen sich die Landwirte, das Vertrauen der Menschen auf dem Land und in den Städten wiederzuerhalten. Wichtig sei, dass dieses Ziel von allen Schleswig-Holsteiner Bauern – zirka 10.000 – mitgetragen werde, betonte der Präsident. Vorwiegend handele es sich um ein Papier, das sich nach innen an die Bauern selbst richte.

Schwarz räumte ein, dass einigen vielleicht die Vorschläge nicht weitgehend genug sein könnten. Doch mit überzogenen Forderungen werde es schwierig, möglichst viele dazu zu motivieren. Dazu gehörten einerseits begeisterungsfähige Berufskollegen sowie andererseits die innere Bereitschaft, die Veränderungen mitzutragen – auch die Ansprache von schwarzen Schafen.

Das Vorhaben sei ein fortlaufender Prozess, der in den ökonomischen Kontext gestellt werden müsse. Denn die Betriebe müssten sich im globalen Wettbewerb künftig noch mehr behaupten. Veränderungen, die zu weitgehend seien oder zu schnell eingefordert würden, belasteten kleinere Betriebe und beschleunigten die Strukturbrüche.

Zum Inhalt merkte Schwarz an, dass heikle Themen wie die zu hohen Nährstoffüberschüsse in den Hotspots der Tierhaltung und der Rückgang der Artenvielfalt in den intensiv genutzten Agrarlandschaften nicht ausgelassen worden seien. Hier müsse die Landwirtschaft mehr unternehmen als bisher, so der Tenor des Berufsstandes. "Auch in der Tierhaltung sind wir bestrebt, die Defizite im Produktionsprozess zu benennen und abzustellen", war ein Resümee des vergangenen Landeshauptausschusses, dem höchsten Gremium des Bauernverbandes.

Werner Schwarz machte auch deutlich, dass der Verband sich Naturschutz als Betriebszweig vorstellen könnte, verbunden mit verlässlichen Zahlungen, mit denen sich auch Einkommen erwirtschaften lasse. Der Bauernverband Schleswig-Holstein stelle sich somit dem Wertewandel der Gesellschaft und fordert die Bürger auf, mit ihnen in den Dialog zu treten. Ein Feedback sei erwünscht, konstatierte Werner Schwarz, wobei er einräumte, dass dies nicht bedeute, dass man jeglicher Forderung von selbst ernannten Experten nachkomme.

Veränderung gestalten im Ackerbau

BVSH-Pressesprecherin Dr. Kirsten Hess, Ludwig Hirschberg und Werner Schwarz (v. li.) unterstrichen die Bereitschaft der Landwirte, sich über den gesetzlichen Standard hinaus zu engagieren. Foto: Dr. Robert Quakernack

Die Gesellschaft steht der klassischen Landwirtschaft zunehmend kritisch gegenüber. Etablierte Produktionssysteme werden verstärkt hinterfragt. Um die eigene Dialog­bereitschaft und Innovationswillen zu demonstrieren, veröffentlichte der Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) im März 2017 sein Leitbild "Veränderung gestalten in der schleswig-holsteinischen Landwirtschaft". Dieses Leitbild wurde mittlerweile für den Bereich Ackerbau konkretisiert. Am 18. Juli 2019 wurde das Papier im Rahmen der Landespressekonferenz in Kiel vorgestellt und im November 2019 noch einmal angepasst.

BVSH-Präsident Werner Schwarz wandte sich direkt an die rund 20 anwesenden Journalisten: "Bereits vor zwei Jahren haben Sie gefragt, wann unser Papier konkreter wird". Dieser Zeitraum sei jedoch notwendig gewesen, da eine solche Selbstverpflichtung auch auf Kreis- und Bezirksebene diskutiert werden müsse.

"Wir wollen mit unserem Leitbild alle Betriebe in Schleswig-Holstein erreichen", betonte Ludwig Hirschberg, der als Vorsitzender des BVSH-Ausschusses für Getreide und andere Ackererzeugnisse maßgeblich an der Ausarbeitung des vorgestellten Papiers "Veränderung gestalten im Ackerbau" beteiligt war. Der gesetzliche Standard stelle aus Sicht des Verbandes nur die Minimalanforderung dar. In Teilen wolle man aber darüber hinausgehen.

Hirschberg erläuterte, dass mit der Novellierung der Düngeverordnung 2017 der Einsatz von Wirtschaftsdüngern gegenüber Mineraldüngern benachteiligt worden sei. Dabei gelte es, vermehrt Gülle und Gärreste aus viehdichten Regionen in Ackerbaugebieten zu verbringen und effizient einzusetzen. "Es geht immer um die Versorgung von Pflanzen mit Nährstoffen und nicht um die Entsorgung von Wirtschaftsdünger", stellte der Ackerbauer klar.

Aus seiner Sicht ist die "dramatische Entwicklung" im Pflanzenschutz noch gar nicht in der Öffentlichkeit angekommen. Trotz des ohnehin massiven Wegfalls von Wirkstoffen setzte Deutschland innerhalb der EU mit zusätzlichen Verboten "noch einen drauf". Trotzdem wolle die Landwirtschaft ihren Teil beisteuern, um im Bereich Pflanzenschutz und Fruchtfolgen besser zu werden, die Bodenfruchtbarkeit und Düngung weiter zu optimieren und die biologische Vielfalt und Landschaftsqualität zu erhalten oder auszuweiten.

Bauernverband Schleswig-Holstein