Rübenroden in Schleswig-Holstein: Erntestress, Schädlingsdruck und Zuckersteuer
Aktuell läuft auf vielen Feldern in Schleswig-Holstein die Zuckerrübenernte. Die sogenannten Rübenroder holen die Zuckerrüben aus dem Boden. „Heimische Zuckerrüben sichern unsere regionale Wertschöpfung und die Arbeitsplätze entlang der Produktionskette. Die Rübe ist für viele Betriebe ein wertvoller Bestandteil der Fruchtfolge – und das muss so bleiben“, fordert Klaas Röhr, Rübenanbauer und stellvertretender Kreisvorsitzender des Bauernverbandes im Kreis Stormarn.
Ein zunehmender Schädlingsdruck und immer weniger verfügbare Pflanzenschutzmittel sowie sich spürbar verändernde klimatische Bedingungen erschweren den Anbau dieser in Norddeutschland traditionsreichen Feldfrucht. Niedrige Zuckerpreise setzen die Wirtschaftlichkeit des Anbaus zusätzlich unter Druck.
Der Bauernverband Schleswig-Holstein sieht deshalb den Beschluss des Bundeskabinetts zur geplanten „Zuckersteuer“ skeptisch. „Durch die Zuckersteuer wird unser heimischer Rübenzucker teilweise durch künstliche Süßungsmittel ersetzt werden. Das ist der falsche Weg, um die Ursachen für Übergewicht wirksam zu lösen. Lebensmittel werden teurer und die Zukunft unserer Zuckerwirtschaft unsicherer. Wir Rübenanbauer tragen hohe Produktionskosten und erhebliche Wetterrisiken. Damit sich der Anbau weiterhin lohnt, brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen und auskömmliche Erlöse“, betont Klaas Röhr.
Wie werden Zuckerrüben gerodet?
Die Zuckerrübenernte nennt sich im Fachjargon „Rübenroden“. Anders als das Getreide werden Zuckerrüben nicht gedroschen, sondern durch das Roden vollständig aus dem Boden geholt. Nach dem die Rüben mit einem modernen sechsreihigen oder sogar größeren Rübenroder aus dem Boden gehoben worden sind, werden Erde, Steine und Pflanzenreste entfernt und die Zuckerrüben am Feldrand in einer Miete abgelegt. Diese Arbeitsgänge erledigt eine einzige, sehr leistungsstarke Maschine. Der „Rübenberg“ dient als Zwischenlager und wird häufig mit einem Schutzflies abgedeckt, um die Zuckerrübe vor Frost zu schützen. Der optimale Erntezeitpunkt ist ein Kompromiss zwischen weiterem Rübenwachstum, Zuckereinlagerung, Witterung und Lieferplanung der Zuckerrübenfabrik. Ziel der Landwirte ist es, Zuckerrüben mit einem hohen Zuckergehalt bei möglichst geringen Ernteverlusten bei gleichzeitig maximalem Bodenschutz und einer funktionierenden Logistik hinzubekommen. Die nördlichste Zuckerfabrik in Deutschland liegt in Uelzen, Niedersachsen. In Schleswig-Holstein hat die letzte Zuckerfabrik in Schleswig im Jahr 2003 geschlossen.