Maisernte 2026: Zwischen Fruchtfolge, Biogas und regionaler Energieversorgung
Aktuell sieht man auf den Straßen in Schleswig-Holstein wieder große Erntemaschinen. Nach der Getreide- und Rapsernte sind die Landwirtinnen und Landwirte mit einer weiteren großen Ernte beschäftigt: Die Maisernte.
Landwirt Tobias Hansen aus Kosel im Kreis Rendsburg-Eckernförde erklärt: „Mais ist in Schleswig-Holstein neben Weizen eine der wichtigsten Kulturpflanzen. Diese Frucht ergänzt nicht nur unsere Fruchtfolge, sondern liefert Energie für unsere Biogasanlage.“ Landwirt Hansen bewirtschaftet seinen landwirtschaftlichen Betrieb „Hansen Energie GmbH“ in der vierten Generation in Eschelsmark mit 300 Hektar Ackerbau, einer 265 kW Biogasanlage und einem Hähnchenmaststall. Die Wärme der Biogasanlage versorgt acht weitere landwirtschaftliche Betriebe in der Nachbarschaft mit mehreren Wohneinheiten und entkoppelt diese damit von der Nutzung fossiler Energieträger. „Ob sich für uns Biogasanlagenbetreiber das Modell der Bundesregierung für „flexible Stromerzeugung“ lohnt, hinterfragen aktuell viele Betriebsleiter,“ sagt Landwirt Tobias Hansen, „Eventuell bedeutet es für regionale Wärmemodelle ein Rückschritt zu fossilen Brennstoffen.“
Wie funktioniert die Maisernte?
Auf den Feldern rund um den landwirtschaftlichen Betrieb von Tobias Hansen steht druschreifer Mais. Mit einem sogenannten Feldhäcksler werden die gesamten Pflanzen geerntet und im Innenraum der Maschine zerkleinert. Der optimale Trockenmassegehalt der Pflanze beträgt zwischen 30 und 35%. Die Schnittlänge der gehäckselten Maispflanze liegt bei maximal einem Zentimeter. Das Häckselgut wird sofort auf einen neben dem Häcksler fahrenden Trecker mit Anhänger geladen. Der Maishäcksler hat, anders als der Mähdrescher, keinen Korntank im Innenraum der Maschine. Deshalb fahren während der Maisernte viel mehr Trecker mit Anhänger zwischen dem Feld und dem Hof hin und her.
„Wir Landwirte wissen, dass während der Maisernte mehr Trecker mit Anhänger auf den Straßen unterwegs sind. Rücksicht und langsames Fahren durch die Dörfer ist für uns alle ein Muss,“ betont Tobias Hansen. „Doch genauso freuen wir uns über ein verständnisvolles Miteinander mit anderen Verkehrsteilnehmern und Anwohnern. Die verdreckten Straßen erhalten Warnschilder und werden zeitnah gereinigt.“
Auf dem Hof wird das Erntegut auf einem Lagerplatz – einer Siloplatte – zu einem großen Haufen abgekippt. Mehrere schwere Traktoren fahren auf diesem Haufen stetig hin und her, um den gehäckselten Mais bestmöglich zu verdichten und die Luft aus dem Erntegut „herauszudrücken“. Damit wird eine möglichst schimmelfreie Gärung erzielt und ein qualitativ hochwertiges Gärprodukt für die Biogasanlage erzeugt. Als letzten Arbeitsschritt decken Tobias Hansen und seine Freunde aus dem Dorf den Silohaufen mit Folie luftdicht ab. Die Inhaltsstoffe des Maises können so am besten fermentieren und werden anschließend sukzessive zur Beschickung der Biogasanlage entnommen. Doch nicht nur die Biogasanlagen benötigen qualitativ hochwertigen Silomais. Auch für Milchkühe und Bullen dient Mais als energie- und faserreiches Futter und ist damit ein wichtiger Bestandteil in der Rationsgestaltung der Tiere. Immerhin geht rund die Hälfte der pro Jahr in Schleswig-Holstein geernteten 7 Mio. Tonnen Mais in die Rinderfütterung.